Auch wieder so eine Idee von Stefan: mal nach Afrika reisen, um den Kibo zu besteigen. Allerdings wollten wir uns den ganzen organisatorischen Kram weitgehend vom Hals halten und überließen dies stattdessen dem DAV Summit Club. Gegen einen Obolus von 2150 €. Plus Visum (30 €) und Trinkgelder (etwa 75 US$).
Quasi zur Akklimatisierung sind wir vorher eine Woche im Monte-Rosa-Gebiet gewesen, 4 Nächte auf der Cap. Gnifetti und 3 Nächte auf der Rif. Margherita - und das war auch gut so. Ich zumindest musste mich so gut wie gar nicht mit Kopfschmerzen rumplagen. Und acht 4000er sind auch noch dabei abgefallen.
Literatur: OutdoorHandbuch Tansania:
Kilimanjaro, Conrad Stein Verlag
Karten: keine, wir hatten ja zwei Guides
dabei
Mit einer Boing 767 von Amsterdam nach Kilimanjaro International Airport in gut 8 Stunden. Dort war es leider schon dunkel. Danach Fahrt mit zwei Jeeps (wir waren zu zehnt) in die Lodge. Besprechung, zwei Bier (je 2 US$ der halbe Liter) und ab ins Bett. Vor dem Einschlafen noch mal verinnerlichen: DU BIST IN AFRIKA!
Beinahe hätte ich verschlafen (die zwei Bier gestern Abend...), doch lärmten die Affen dermaßen laut über das Dach des Bungalows, dass ich noch rechtzeitig munter wurde.
Frühstück und Sachen packen, dann ging es gegen 9 Uhr mit den Jeeps in gut 3 Stunden über Moshi Richtung Rongai Village. Der letzte Teil der Strecke führte über unbefestigten Fahrweg, arg wellig und ausgefahren, dafür umso staubiger. Die Einheimischen an der Strecke hatten für den sonntäglichen Kirchengang ihre guten Sachen angezogen, was sehr schön anzusehen war - bis wir an ihnen vorbei waren und der Staub sich gelegt hatte ...
In Rongai Village (2050 m) wurden durch unsere Guides
Remid (Head) und Elias (Assistent) die Träger engagiert
(am Ende 37 Mann für 10 Clients!) und wir
hatten Zeit, die Lunchpakete zu genießen.
Gegen 13 Uhr Abmarsch. Erst entlang trockener Felder, in
denen hier und da erschreckend einfache Hütten standen.
Wie und wovon die Menschen hier leben ist kaum vorstellbar;
traurig der Anblick der Kinder, die oft nur mit Hose bekleidet
im Staub saßen.
Weiter ging es ein kurzes Stück durch den Regenwald
und danach durch Heidelandschaft, wobei die Sträucher
anfangs noch übermannshoch waren. Nach dem wir einen
zweiten Bach überquert hatten und ich plötzlich
Stimmen hörte, wusste ich, dass wir gleich im Rongai
Camp I auf 2850 m waren.
Dort wartete schon für jeden eine Schüssel warmes
Wasser zum waschen und der 5-Uhr-Tee. 19 Uhr dann
Abendessen, im Anschluss etwas Smalltalk über die
Bedeutung des Namens Kilimanjaro sowie die Unterschiede der
keniatischen und tansanischen Version des Kilimanjaro-Liedes.
Um 7 Uhr war Wecken mit dem "First tea on bed" - oder so ähnlich (mein Englisch ist nicht sehr berühmt). Es gingen tatsächlich zwei der Träger herum und brachten jedem von uns eine Tasse Tee/Kaffee an das Zelt. Bei mir hatten sie Pech, denn ich war schon seit 6 Uhr auf und nutzte die aufgehende Sonne für ein paar schöne Fotos des noch so weit entfernten Kibos.
Um 8 Uhr Frühstück und gegen 9 Uhr wieder Abmarsch. Für das Tempo galt ab jetzt: Pole Pole - langsam, langsam. Noch nie bin ich in einem derartigen Schneckentempo einen Berg hochgegangen. Eine Stunde gehen, dabei ziemlich genau 200 m Höhe überwinden. Dann Pause. Trinken, fotografieren, filmen und immer, wenn man dann die Pause genießen wollte, kam vom Guide: "Get ready! ... Ready to go?" und weiter ging es für die nächste Stunde. Im Nachhinein muss ich aber zugeben, dass gerade dieses betont langsame und kontinuierliche Steigen a) die Akklimatisierung verbesserte und dadurch b) uns den Gipfel sicherte.
Die Sträucher wurden allmählich niedriger und der Weg zog sich von Hügelkette zu Hügelkette. Mittags erreichten wir Rongai Camp II, wo in einer Höhle schon die Mittagstafel für uns eingedeckt war. Für kurze Zeit setzte ein leichter Nieselregen ein. Nach einer Stunde gingen wir weiter. Die wenigen Pflanzen waren nur noch ein paar Zentimeter hoch und Staub und Steine dominierten die Landschaft. Kurz vor 16 Uhr erreichten wir Rongai Camp III auf 3900 m. Same procedure wie letzten Abend. Das Wetter wurde immer besser und nach dem Abendessen genossen wir einen herrlichen Sternenhimmel incl. des Kreuz des Südens.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Akklimatisierung. Es wurde also nicht zum nächsten Lager weiter gegangen, sondern wir blieben im Camp III. Allerdings stand eine kleine Wanderung auf dem Plan.
9 Uhr marschierten wir wie gehabt los. Die Landschaft glich nunmehr eher der des Mondes oder des Mars. Staub, Steine, Felsen. Einzige Lichtpunkte für das Auge: rechts der Kibo und links der Mawenzi. Bis etwa 11 Uhr, dann hatten die Wolken aus dem Tiefland uns erreicht. Bei etwa 4300 m Höhe war der Umkehrpunkt unserer Wanderung und pünktlich zu Mittag waren wir wieder im Camp.
Der Nachmittag war zur freien Verfügung - toll, was
macht man einen Nachmittag lang auf dem Mond? Genau! Ins Zelt
legen und bis zum 5-Uhr-Tee dösen.
Die Temperaturen nachts sanken bereits knapp unter
0° Celsius.
Nach "First tea on bed"-Procedere und Frühstück ging's wieder 9 Uhr los. Bei endlich mal wolkenfreiem Wetter schlängelten wir uns von Hügel zu Hügel, immer in der Hoffnung, mal so was wie eine Aussicht zu haben. Aber es war immer nur wieder der nächste Hügel zu sehen. Die Landschaft wurde immer trister, Staub wirbelte bei jedem Schritt auf.
Bei 4500 m Höhe schwächelte Beau, eine der beiden Frauen in unserer Gruppe. Kopfschmerzen. Endlich kam Kibo Hut in Sicht. Elias, unser Assistant-Guide, nutzte die letzte Rast, um Lavabrocken zu sammeln, die er dann an uns verteilte. Kurz vor 13 Uhr waren wir im Lager, 4700 m hoch. Mittagessen und dann wieder ein freier Nachmittag. Wir kletterten auf einen Felsblock in der Nähe und betrachteten von oben das Lagertreiben. Ein ständiges Hin und Her, Zelte abbauen, Zelte aufbauen. Bis weit in den Nachmittag kamen noch Gruppen die Marangu-Route hoch. Leider sind bei Beau die Kopfschmerzen unerträglich geworden, so dass sie mit ihrem Freund und Elias in das nächste Lager (Horombo Hut) absteigen musste.
Abendessen war heute etwas zeitiger, da um 23 Uhr die Nacht für uns zu Ende sein soll.
Tatsächlich, 23 Uhr ging Remid von Zelt zu Zelt und weckte uns. Eine halbe Stunde später gab es "Frühstück" (Toast, Kekse und Tee) und um Mitternacht zogen wir (und der Rest des Lagers) im Gänsemarsch los. Der Himmel war klar und der Mond spendete ausreichend Licht. Die Temperaturen bewegten sich bei maximal -7° Celsius, obwohl uns kälter war.
Schritt für Schritt quälten wir uns hoch, immer mal eine Pause machend. Hinter der Hans-Meier-Höhle war für Hans, unserem ältesten Teilnehmer, Feierabend und er stieg mit einem der Träger wieder ab. Ein wenig hatte ich ihn schon beneidet, denn für ihn hatte die Schinderei nun ein Ende.
Am Kraterhang ging es im Zickzack eine elend lange Schutt- und Schotterrinne hinauf, an jeder Kurve und jedem Stopp den Blick fragend nach oben: wann hat die Quälerei ein Ende, wann ist der Rand des Kraters erreicht? Irgendwann fasste ich den heimlichen Entschluss: Gilman's Point ist für mich das Ende.
Ganz unverhofft waren wir plötzlich auf dem Kraterrand und wenige Augenblicke später an Gilman's Point, Afrikas höchster Müllplatz. Sechs Stunden Schinderei lagen hinter uns und wir hatten uns die Pause redlich verdient. Mittlerweile war es auch hell geworden und die Sonne schickte sich endlich an aufzugehen. Der Blick in und über den Krater war großartig, hoffentlich hielt er auch dicht. Hier und da ein paar wenige Gletscher und im Krater ein paar Schneefelder. Remid zeigte auf ein Stück Krater halb links von uns und bei genauem Hinsehen erkannten wir dort eine Menschentraube: Uhuru Peak. Aufkommende Zweifel des einen oder anderen von uns, dieses Stück auch noch zu schaffen, wischte er mit einer Handbewegung hinweg. Nur noch 200 Höhenmeter. Get ready - ready to go!
Der Weg führte in stetem Auf und Ab am Kraterrand entlang. Abwärts war kein Problem, aber kaum zeigte sich die kleinste Steigung, fingen wir wieder an zu schleichen. Hinter Stella's Point dann der letzte Aufstieg. Bei jeder Kuppe hofften wir, es sei der Gipfel. Aber nein, dahinter tauchte die nächste Kuppe auf. Dann endlich, noch knapp 100 m und wir standen auf dem Uhuru Peak, mit 5895 m der höchste Punkt Afrikas. Gut 8 Stunden haben wir vom Kibo Hut gebraucht. Händeschütteln, Umarmungen, auch Tränen der Freude, endlich oben zu sein. Und natürlich Fotos vor den berühmten Brettern mit der gelben Schrift, als Bestätigung für später, falls man es immer noch nicht glauben kann, dass man hier oben war.
Als die Atmung anfing, sich langsam wieder zu normalisieren, kam das gewohnte "Get ready - ready to go!" Nun ja, im Abstieg waren wir deutlich schneller, zumal sich die Schotterrinne ganz gut und flott direkt hinunter laufen ließ (vom aufgewirbelten Staub mal abgesehen). Gegen 11 Uhr waren wir wieder am Kibo Hut, nahmen unser verdientes Mittagessen ein und gegen 14 Uhr stiegen wir auf der Marangu Route weiter ab.
Der breite und staubige Weg führte durch eine faszinierend öde Landschaft. Immer wieder der Blick zurück zum Kibo und nach links zum Mawenzi. Auf jeder kleinen Kuppe sahen wir weit hinten am Horizont unseren Weg hinter der nächsten Kuppe verschwinden. Wir hatten uns Gott sei Dank viel zu erzählen und langsam kehrte auch die Vegetation wieder zurück, so dass uns die drei Stunden Abstieg nicht langweilig wurden. Kurz vor dem Horombo Hut tauchten dann auch die ersten Senezien auf, kurz danach waren ganze Haine voll damit.
Etwa 17 Uhr kamen wir im Lager an, gerade rechtzeitig zum Tee. Dort trafen wir auch wieder auf Beau und ihren Freund. Nach 18 Stunden auf den Beinen, davon 14 Stunden unterwegs, waren wir gut geschafft. Nach dem Abendessen ließen wir noch das Fläschchen Gipfel-Becherovka rumgehen (auf dem Gipfel selbst hatte gar keiner dran gedacht ...) und verschwanden recht bald in den Schlafsäcken.
The same procedure..., nur alles eine halbe Stunde eher, da wir heute bis Mittag hinab zum Marangu Gate wollen und das wohl so 6 Stunden dauert. Nachdem das meiste Gepäck verstaut ist, versammeln sich alle Träger und singen zusammen ein Lied. Eine sehr schöne Geste.
Gegen 8 Uhr dann Abmarsch. Wenig später
überholen uns wie gewohnt unsere Träger, teilweise
im Laufschritt!!!
Die Landschaft gibt sich noch lange Zeit recht steppig, bis
nach etwa 2½ Stunden der Regenwald begann. Kühl,
feucht, dunkel und oft auch richtig zugewachsen, ganz wie man
sich halt den Regenwald so vorstellt. Kein Vergleich zu dem
bisschen auf der Nordseite des Kilimanjaro. Mitten im Wald das
Mandara-Camp, welches wir aber im Abstieg "links
liegenlassen".
Etwa 14:30 Uhr sind wir am Gate angelangt. Dort wurde
sich wieder bei der NP-Verwaltung ausgetragen, der einzige
Souvenirshop, der mir am Kilimanjaro über den Weg lief,
aufgesucht und danach war noch Zeit, das mitgebrachte
Lunch-Paket (mal wieder Hühnchen) zu genießen. In
der Zwischenzeit wurden die Träger ausgezahlt und dann
ging es wieder Richtung Lodge.
Dort erwartete uns unser Betreuer mit zwei schlechten
Nachrichten: 1. Es war nicht genug Platz in der Lodge, so dass
ein Teil unserer Gruppe in das River Tree Inn auf der anderen
Straßenseite umsiedeln musste (was sehr schade war, denn
wir hatten uns doch etwas aneinander gewöhnt) und 2.
hatte er noch keine Fahrzeuge für die morgige Safari
besorgen können. Das Dinner haben wir trotzdem gemeinsam
einnehmen können und danach wurde halt auf den
verschiedenen Lodges weitergefeiert.
Anmerkungen zur Kibo-Besteigung
Nach dem Frühstück war immer noch nicht klar, ob und wann wir denn nun Fahrzeuge bekämen. Gegen 10 Uhr kamen dann zwei Kleinbusse und eine halbe Stunde später fuhren wir Richtung Arusha Nationalpark los.
Am Eingang zum Nationalpark noch mal etwas Wartezeit, bis die Eintrittskarten besorgt waren und weiter ging es auf denkbar schlechten Wegen durch den Park. Die Tiere, die zu sehen waren, sind leider immer ganz schön weit weg gewesen. Raubtiere sind in diesem Park leider keine beheimatet, höchstens mal "zu Besuch". Highlight des Parks sind neben dem Mt. Meru die wunderschönen Momella-Seen. Einer von ihnen ist ein Salzwassersee und Tummelplatz riesiger Mengen Flamingos. Ansonsten gibt es Giraffen, Zebras, Hängebauchschweine und Büffel zu sehen. Aussteigen konnte man nur an sehr wenigen Stellen, Fotos mussten wir also meistens aus dem Autofenster heraus schießen (und nicht alle Fenster ließen sich öffnen). Die Rückfahrt erfolgte auf demselben Weg.
Wieder in der Lodge gab es den letzten Lunch, noch mal duschen (die Safari war eine ziemlich staubige Angelegenheit) und dann war auch schon Zeit Abschied zu nehmen von Tansania. Ein Bus brachte uns zum Flughafen und mit einem Schlenker über Dar-es-Salaam ging es zurück nach Hause.
Anmerkungen zur Safari
Nach dem Frühstück haben wir noch etwas Zeit, den Trägern bei ihrer Arbeit zuzusehen. Der Kibo ist noch verdammt weit weg.
Zeitiges Aufstehen und etwas Glück mit dem Wetter bescheren fast immer traumhafte Sonnenaufgänge.
Beeindruckend, was alles und vor allem wie unsere Träger die Lasten transportierten. Meistens auf dem Kopf. Und in einem irrsinnigen Tempo.
Nach der relativen Ruhe der Rongai Camps war hier am
Kibo Hut auf 4700 m Höhe richtig was los. Kein
Wunder, trafen wir doch hier auf die Marangu Route, eine
der meist begangenen ...
Rechts hinter dem Camp ist der Aufstieg auf den Kraterrand
des Kibo zu erkennen.
Zusammen mit der aufgehenden Sonne erreichten wir den
Kraterrand des Kibo.
Den Mawenzi hatten wir höhenmäßig schon
unter uns gelassen.
Geschafft! Nach gut 8 Stunden Kampf gegen sich selbst und die dünne Luft standen 7 von uns zehn zusammen mit Remid, dem Headguide, und zwei Begleitern auf dem höchsten Punkt Afrikas: Uhuru-Peak, 5895 m.
Am letzten Morgen unserer Kilimanjaro-Tour versammelten sich alle Träger und die beiden Guides (zusammen 39 Mann), um uns das Kibo-Lied vorzusingen.
Vom Horombo Hut absteigend nahm die Vegetation sowohl an Größe als auch an Vielfalt wieder deutlich zu.
Im Abstieg über die Marangu Route ging es auch ein paar Stunden durch den Regenwald. Kühl, feucht, undurchdringliches Dickicht und beeindruckende Baumriesen.
So nahe wie diese beiden Junggiraffen haben wir die Tiere sonst nicht gesehen. Abhilfe schafft da nur ein gutes Teleobjektiv.
Letzte Änderung: 01.03.2007
Zum Seitenanfang