Fünf Jahre später, 1999, verschlug es uns wieder nach Skandinavien. Nach 4 Wochen und 10 000 km Fahrleistung konnte ich endlich von mir behaupten, am Nordkap gewesen zu sein.
Aber der Reihe nach. Über Dänemark und Schweden ging es hinüber nach Finnland. Sehenswert hier vor allem Schwedens Hauptstadt Stockholm (am besten den Rathausturm besteigen, um die Stadt mit ihren vielen Wasserläufen von oben zu genießen - aber Vorsicht, man befindet sich unter einer riesigen Turmglocke). Erlebnisreich auch die Überfahrt von Stockholm nach Turku. Überwiegend im "Schritttempo" gleitet die Fähre oftmals nur 100 m an den unzähligen Schäreninseln vorbei. Da auch 4 Wochen für so eine Tour recht knapp sind, haben wir die finnische Seenplatte und Karelien ausgelassen und sind in einem 2-Tage-Ritt gleich nach Lappland hochgefahren.
Während Stefan sich unbedingt 3 Tage lang durch den Urho Kekkonen Nationalpark schinden wollte, zog ich ein paar erholsame Tage am Inari-See vor. Sehenswert hier das Örtchen Ivalo, in dem gerade Goldwäscher - Meisterschaften stattfanden. Auch sollte man nicht versäumen, vom Aussichtsberg Sovintovaara einen Blick über den Inari-See mit seinem Gewirr von Inseln zu werfen. Dankenswerterweise sind an der Aussicht Ferngläser befestigt, ohne die man lediglich das Vorgeplänkel des Sees erblickt. Extra für Kurzzeittouristen ist im Lemmenjoki Nationalpark, dem größten Finnlands, ein 4 km langer Rundweg mit einigen Informationstafeln in finnisch und englisch eingerichtet worden. Es ist schon beeindruckend, durch diese nahezu unberührte Natur zu laufen, obwohl man ja auf diesem Weg nur einen Bruchteil davon zu sehen bekommt. Einzig die Unmenge von Mücken beeinträchtigt das Erlebnis. Für ambitionierte Langstreckenwanderer sind in den Nationalparks in regelmäßigen Abständen immer wieder Übernachtungsplätze mit vorbereiteten Feuerstellen, Holz und Trockenklos eingerichtet. In meinen Augen eine wesentlich bessere Variante als bei uns in Deutschland, wo das Übernachten im Freien einfach verboten wird.
Unser letztes Ziel in Finnland war ein Abstecher in den Kevon Nationalpark bei Kenespatha. Statt wie bisher zu zelten, zogen wir es vor, für teures Geld eine Hütte zu mieten. In der Zeit, in der wir die Zelte aufgebaut hätten, wären wir von den Mücken wahrscheinlich total zerstochen worden. Im Nationalpark selber waren wir froh, uns in Ivalo noch mit einer Art Imkerhut eingedeckt zu haben. Wie die fette Krätze versuchten diese kleinen Biester irgendwie an ein Stück ungeschützte Haut ranzukommen, um ihren Saugrüssel ansetzen zu können.
Mit Überschreitung der Grenze nach Norwegen hörte eigenartigerweise die Mückenplage schlagartig auf. Auch die Landschaft änderte sich. Dominierten in Finnland dichtbewaldete Hügel das Bild, so waren es jetzt wieder kahle, felsige Bergkuppen. Von Kirkenes aus fuhren wir zum nordöstlichsten Zipfel Norwegens, Grense Jakobselv. Von dort Blick auf die unendlichen Weiten der Barentssee und hinüber nach Russland.
Bei sinkenden Temperaturen (Tag 7 Grad, Nacht bis zu 3 Grad) näherten wir uns dem Nordkap. Außer der Tatsache, der nördlichste mit dem Auto zu erreichende Punkt Europas zu sein, wenig spektakulär. Dafür aber teuer. 40 DM für eine Tunnelfahrt, um auf die Insel Magerøya zu gelangen und noch mal gut 80 DM für eine Familienkarte, um das Nordkap zu betreten. Diese ist allerdings auch 48 Stunden lang gültig. Zusammen mit ca. tausend anderen Touristen (meist dünn gewandete Japaner und lärmende Italiener) standen wir um Mitternacht bei nass-kaltem Wetter und hofften, dass die Sonne doch noch einen Weg durch die Wolken finden möge. Vergebens. Aber wir sind da gewesen! Wenn noch Zeit ist, lohnt ein Trip zur Kirkeporten nahe Skarsvåg. Durch ein natürliches Felstor blickt man direkt zum Horn des Nordkaps. Sehr schönes Fotomotiv.
Von nun an ging es nur noch nach Süden. Unsere geplanten Aufstiege auf die Kebnekaise (2111 m) in Schweden sowie auf den Stetind, einem unglaublichen Monolithen südlich von Narvik, fielen buchstäblich in Wasser. Dafür entschädigte uns ein Besuch der Lofoten, für meine Begriffe der schönste Teil Norwegens. Bis zu 1000 m hohe, steile Berge, bunte und idyllische Fischerdörfer und eine Straße, von der man manchmal den Eindruck hat, sie führt direkt durch das Wasser. Unbedingt bis zur Insel Moskenesøya, der schönsten der vier Lofoten-Inseln, fahren. Sehenswert auch die Traumstrände von Haukland, es fehlen eigentlich nur noch Palmen und ein paar Grad mehr Wasser- und Lufttemperatur. Ebenso lohnt der Besuch des nachgebauten Hauses eines Wikingerhäuptlings. In den verräucherten Hallen fühlt man sich fast in eine andere Zeit versetzt. Und alles zum Anfassen. Unten am See kann man zur richtigen Zeit (ca. 14 Uhr) mit einem nachgebauten Wikingerboot über das Wasser schippern.
Der Rest der Reise war dann nur noch Heimfahrt. Da wir Oslo als Stadt schon kannten, besuchten wir diesmal die Museumshalbinsel Bygdøy. Lohnenswert das Wikingerschiffmuseum mit zum Teil originalen Schiffen. Im Kon-Tiki-Museum ist eine 1:1 Kopie des Schilfbootes RA II sowie das Original vom Balsafloß Kon-Tiki des Norwegers Thor Heyerdahl ausgestellt.
Das Beeindruckendste der ganzen Reise war aber die Tatsache, dass es nie richtig dunkel wurde. Selbst um Mitternacht war es immer noch so hell, dass man problemlos ein Buch lesen konnte. Der gesamte Tagesablauf verschiebt sich nach hinten und man steht eigentlich nie unter dem Stress, irgendwo noch vor dem Dunkelwerden ankommen zu müssen.
Stockholm, die wohl schönste der skandinavischen Hauptstädte. Hier der Blick vom Rathausturm auf die Altstadt.
Nördlich von Rovaniemi überschreiten wir den Nördlichen Polarkreis. Hier befindet sich auch das offizielle Büro des Weihnachtsmannes
Letzte Änderung: 28.02.2007
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