Von der nördlichsten Spitze Dänemarks, Hirtshals, fuhren wir im Sommer 1994 mit der Color Line hinüber nach Kristiansand. Bei doch etwas unruhiger See musste man schon aufpassen, dass man auf dem rollenden Schiff treppab nicht ins Leere trat. Als wir uns endlich an das Geschaukel gewöhnt hatten, lief die Fähre auch schon in den Hafen ein.
Immer der Küste nach Nordwesten folgend fuhren wir Richtung Stavanger. Die Landschaft hatte mich sofort gefangen genommen. Noch nie hatte ich bis dahin ein derartiges Wechselspiel von Wasser und Felsen erlebt. Mal dominieren kilometerlange Fjorde, eingebettet in steil aufragende Felswände, ein anderes Mal die Hochebenen (Fjell genannt). Oft finden sich in den Fjells kleine Bergseen, teilweise mit Inseln durchsetzt und, wenn der Platz ausreicht, mit kleinen bunten Holzhäusern bebaut.
Von Stavanger aus führte unsere erste Tour zum Prekestolen. Satte 600 m steigt diese Felskanzel nahezu senkrecht aus dem Lysefjord empor. Vom Parkplatz an der Prekestolen - Hütte wanderten wir in rund 2 Stunden auf einem der wenigen markierten Wege Norwegens bis zum Prekestolen, wo sich schon eine illustre Anzahl von Touristen tummelte. Die gähnende Leere um die Kanzel herum ist dermaßen beeindruckend, dass man nur auf dem Bauch liegend einen Blick hinunter zum Lysefjord wagt.
Weiter ging es nach Osten in das Setesdal hinein, ein sehr schönes Klettergebiet Südnorwegens. Von unserem Zeltplatz südlich von Valle, den wir fast für uns alleine hatten, konnten wir direkt auf einen Teil der Big-Wall-ähnlichen Felswände blicken. Da wir nur mit Minimalausrüstung an Kletterzeug unterwegs waren, mussten wir lange im Kletterführer suchen, um eine uns passende Tour zu finden. Mit nur einem Seil hat man nämlich Probleme, die teilweise recht langen Abseilpisten zu bewältigen. An der Silberwand wurden wir dann fündig und haben in sehr schönem, festen und kleingriffigen Fels die "First steps", eine 5-, gemacht.
Im Setesdal kam dann auch der Zeitpunkt, wo unser von zu Hause mitgebrachtes Bier zur Neige ging. Dummerweise ist Alkohol in Skandinavien nicht nur teuer, es gibt ihn auch nicht überall. In Bezug auf Bier hat sich die Lage allerdings etwas entschärft, so dass mittlerweile jeder bessere Supermarkt einige Sorten anbietet. Wie Rumpelstilzchen ums Feuer sind Stefan und ich um die Paletten herumgesprungen, bis wir uns für zwei Sixpack entschieden haben - je ein Helles und ein Dunkles. Wieder auf dem Zeltplatz wollten wir uns unser so teuer erstandenes Bier (ca. 3,00 - 3,50 DM je 0,33 Liter!) schmecken lassen. Wie groß war allerdings unser Entsetzen, als das dunkle Bier sich als Malzbier entpuppte (welches wir dann großzügig an Frau und Kinder verschenkten) und das helle Bier als alkoholfreies. Seit diesem schrecklichen Ereignis uferten unsere Einkäufe in ein mehrstündiges Bierflaschenbegutachten aus.
Unser nächstes Ziel war das Jotunheimen, Heimat der Riesen. Dort wartete schon der Galdhøpiggen auf uns, mit 2469 m der höchste Berg Norwegens und Skandinaviens (die Glittertind mit 2472 m ist zwar zahlenmäßig höher, jedoch mit massivem Gipfeleis überzogen). Regen und später knietiefer Neuschnee ließen uns von einer Besteigung Abstand nehmen und wir setzten kurz entschlossen in das Romsdal um. Neben der Trollwand, mit 1000 m senkrechtem Fels die höchste Wand dieser Steilheit in Europa, befindet sich dieser direkt gegenüber das Romsdalhorn, welches Stefan über den Normalweg (UIAA 2) erklomm.
Zu einem zweiten Versuch fuhren wir in das Jotunheimen zurück. Diesmal schlugen wir unser "Basislager" in Raubergstulen auf. Im Gegensatz zu Spitterstulen sind es von hier nur noch 600 Höhenmeter, dafür geht es aber über den Styggebreen (Gletscher). Am einfachsten ist es abzuwarten, bis durch die zahlreichen geführten Gipfeltouren ein sicherer Weg über den Gletscher getreten wurde. Vom Gipfel aus ist so eine Führung recht hübsch anzusehen. Wie die Lemminge ziehen sich bis zu 60 Touristen, schön durch das Seil miteinander verbunden, über den Gletscher.
Zwischenhalte in Lillehammer und Oslo (beide Orte sehr sehenswert) beendeten unsere Schnuppertour in Norwegen. Von Trelleborg schipperten wir zurück nach Rostock. Wenige Wochen später sank die "Estonia", das Schwesternschiff unserer Rückfähre ...
In der Silberwand, Setesdal. Hier die Route First steps, UIAA 5-, die an genau dieser Stelle auch schon zu Ende ist.
Letzte Änderung: 28.02.2007
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