Wir waren zu fünft, 3 Jungs und 2 Mädels, und wollten in den Semesterferien mal was ganz besonderes unternehmen. Also beschlossen wir, nach Rumänien zu fahren. Nach erbittertem Kampf um die begehrte Jahresmarke für den internationalen Studentenausweis war sichergestellt, dass die Bahnfahrt kein allzu großes Loch in die Reisekasse riss.
Das nächste Problem war die Tatsache, dass für uns fünf nur zwei 2-Mann-Zelte zur Verfügung standen. Zum Glück konnte ich in der Woche vor der Abfahrt im Dresdner Sporthaus noch eines der beliebten "Fichtelberg Extra"-Bergzelte ergattern.
Problem drei war das schwierigste. Wir wollten nämlich erst eine Woche den Fagaras-Hauptkamm erwandern und dann noch eine Woche im Königstein (Piatra Craiului) klettern gehen. Was wir dazu benötigten, also Klamotten, Verpflegung und Kletterzeug ging einfach nicht in die Rucksäcke hinein. Zumal wir Verpflegung für die kompletten zwei Wochen mitnehmen mussten, denn Rumänien ist ein verdammt armes Land ...
Die Lösung kam in Form eines 60 Liter Plaste-Fasses daher, in welchem wir einen Großteil unseres Proviants verstauten. Irgendwie gelang es uns auch, die Zöllner an den drei Landesgrenzen dazu zu bringen, beide Augen zuzudrücken. In Brasov, am Fuße des Fagaras angekommen, wurde das Fass mit Hilfe von Siegellack, Bindfaden und einem Kronkorken versiegelt und auf dem Bahnhof in der Gepäckaufbewahrung für eine Woche deponiert. Ob wir es jemals wiedersehen würden ...
Der Fagaras-Hauptkamm fiel dann leider ins Wasser. Nachdem wir 6 Tage unterwegs waren und dabei fast jede Nacht kräftig eingeregnet wurden, hatten wir die Nase gestrichen voll. Nach ca. einem Drittel des gesamten Weges stiegen wir wieder ab und fuhren mit der Bahn nach Brasov. Wie groß war die Freude, dort unser Fass wohlbehalten wieder in Empfang nehmen zu können. Leider trennten sich zwei Mann von uns und fuhren in die Heimat zurück.
Nach einer gemütlichen Nacht mit wechselnder Bewachung des Proviantfasses machten wir übriggebliebenen drei uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Zarnesti, dem Ausgangspunkt für den Königstein. Die ersten paar Kilometer vom Bahnhof zur Hütte fuhren wir mit einem Kleintransporter mit, die restlichen 5 bis 6 Kilometer mussten wir aber laufen. Kein Problem, wenn das blöde Fass nicht gewesen wäre. Wir waren nämlich nur noch zwei Jungs, wobei es dem einen magentechnisch nicht besonders gut ging. Dauernd musste er sich in die Büsche schlagen und kam nach einer Weile immer um einen Schein blasser wieder.
Wir haben dann aufgegeben. Fünf endlos scheinende Kilometer habe ich neben meinem 30-Kilo Rucksack mir auch noch das Plaste - Fass (noch mal 30 Kilo) in den Nacken gehoben und es dann Schritt um Schritt wieder nach Zarnesti zum Bahnhof geschleppt.
Zurück in Brasov mussten wir noch mal eine halbe Nacht auf dem Bahnhof zubringen, bevor unser Zug 'gen Heimat fuhr. Diese Zeit nutzten wir, um den Inhalt des Fasses (Nudeln, Zucker, Trockengemüse, Tee ...) an die reichlich vorhandenen Zigeuner zu verteilen. Die aufkommende Dankbarkeit darüber kannte keine Grenzen, so dass wir diesmal gut bewacht (wie eine Art Halbgötter) direkt ein paar Stunden beruhigt die Augen schließen konnten.
Das Gebirge: Überwiegend gemäßigt (zumindest im westlichen Drittel). Gutmarkierte Wege und Pfade, unschwere Gipfelaufstiege. Im zentralen Teil steiler, wobei Alternativen angeboten werden.
Übernachtung: Im eigenen Zelt oder in diversen Berghütten.
Letzte Änderung: 28.02.2007
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