Nach 2 Tagen Zugfahrt 2. Klasse Sitzplatz kamen wir (2 Jungs und 2 Mädels) in Sofia an. Den kurzen Aufenthalt in Bulgariens Hauptstadt wollten wir nutzen, um noch etwas Proviant einzukaufen, unter anderem Brot. Nur wie in so vielen südlichen Ländern passiert um die Mittagszeit dort nichts - und es war gerade Mittag! Ohne Brot im Rucksack ging es mit dem Bus weiter Richtung Borowez am Rila-Gebirge. Einen kurzen Zwischenhalt nutzten wir, um wenigstens eine Wanderkarte zu ergattern.
Im Halbdunkel liefen wir noch zur Talstation der Seilbahn und stellten unsere Zelte zwischen denen der anderen Rila-Aspiranten (so ca. 50?) auf. Am nächsten Tag dann schon oben an der Bergstation hatten wir wenig Lust, uns in die Massen von Leuten, die Richtung Musala losliefen, einzureihen. Also erst mal den sommerlich-öden Skihang direkt hoch in der Hoffnung, dass sich dessen breiter Grat bis zum Musala weiterzieht. Tat er auch. Aber ohne eine Spur von Weg ...
Irgendwann standen wir dann oben. 2925 Meter und 40 Zentimeter, so hoch wie noch nie bisher. Doch nicht lange verweilen, denn der gesamte Musala ist ein weiträumiger Nationalpark und dort kann man leider nicht zelten.
In den nächsten Tagen ging es an Grnschar- und Fischseehütte vorbei. Jeder Versuch, dort etwas Brot zu ergattern schlug leider fehl. Es sei denn, wir hätten uns in den Hütten uferlos viele Suppen bestellt, zu denen es je eine Scheibe Brot gab. So lebten wir die ganze Zeit im Gebirge von Haferbrei (die Spezialität dieser Tour), Nudeln, Reis, Trockengemüse und Wurstkonserven. Nur eben nicht von Brot.
Das Wetter war im Gegensatz zum Fagaras diesmal wesentlich besser, was zur Folge hatte, dass meine Frau sich einen wahnsinnigen Sonnenbrand an den Beinen zuzog (damals waren Kniebundhosen noch der absolute Renner). Da außerdem die Mädels etwas durchhingen, verteilten wir das Gepäck mehr auf uns zwei Männer, so auch einen Teil der Zelte.
In der Nähe der Maljowiza (2729 m) trennten sich kurz unsere Wege. Während meine Frau und ich schon mal zur Maljowiza-Hütte abstiegen (der Sonnenbrand lässt grüßen), wollten die anderen beiden noch bei der Maljowiza vorbeischauen und am nächsten Tag wieder zu uns stoßen. Beim Aufbau unseres Zeltes war ich dann schon etwas überrascht, als ich noch einen kompletten Satz Zeltstangen übrig hatte, welcher den beiden anderen für diese Nacht bestimmt gefehlt hat ...
Und noch eine Überraschung erwartete uns. In einem Nebenraum der Hütte befand sich eine Brotschneidemaschine und um diese herum lag eine ganze Menge von Brotresten. Nach einer Woche ohne Brot kamen mir diese Reste wie ein Geschenk des Himmels vor.
Statt noch mal zum Hauptkamm aufzusteigen und diesen zu beenden, zogen wir es vor, uns noch eine Woche lang die Sonne am Schwarzen Meer auf den Bauch scheinen zu lassen. Nicht die schlechteste Entscheidung, finde ich.
Letzte Änderung: 28.02.2007
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