Theo unterwegs

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Reisen Winter-Tatra

Ich war ganz schön aufgeregt. Zum ersten Mal fuhr ich zum Klettern in ein Hochgebirge und dazu noch im Winter. Mein Schwager und ich hatten uns zu diesem Zweck mit Wolfgang und Gerald zusammengetan, die uns ein Quartier in Tatranská Lomnica besorgt hatten.

Slieský Dom

Unser erstes Ziel sollte dann auch gleich die Gerlachovský stít, mit 2655 m der höchste Gipfel der Hohen Tatra sein. Bei nebligem Wetter stiegen wir bis zum Slieský Dom, einem Berghotel. Bei einem bescheidenen Abendessen planten wir ob des Wetters eher verhalten den nächsten Tag, bis dann gegen 21 Uhr der Himmel aufriss und die Sterne hervorkamen. Die Nacht verbrachten wir unruhig. Wir folgten nämlich anderen Bergfreunden auf den Dachboden des Hotels, wo wir ein einfaches Matratzenlager vorfanden. Mitten in der Nacht wurden wir dann unsanft aus dem Schlaf gerissen und darauf hingewiesen, dass dieser Raum nur Einheimischen vorbehalten sei. Unter Einbehalt unserer Personalausweise durften wir den Rest der Nacht im Foyer des Hotels verbringen.

Aufstieg zum Gerlach

Etwas missgestimmt brachen wir dann am anderen Morgen auf. Über die Krcmárov - Rinne (II-III), die sich schnurgerade zum Grat hinauf zieht und im oberen Teil eine Steilheit von 60° erreicht, gelangten wir bei guten Schneeverhältnissen zügig nach oben. Weiter über den Grat und über eine zeitraubende Abseilstelle erreichten wir gegen Mittag den Gipfel. Und da wir schon mal hier oben sind, haben wir auch noch den benachbarten Zadný Gerlach (2616 m) mit abgehakt.

Jetzt hatten wir allerdings ein Problem. Die Gerlachovský stít befindet sich auf einem Seitenkamm der Tatra. Während sich das Slieský Dom auf der einen Seite des Kammes befindet, führte der leichteste Abstieg genau auf der anderen Seite ins Tal hinunter und wir hätten deshalb noch den ganzen Seitenkamm umlaufen müssen. Also beschlossen wir, über den Darmstädter - Weg (II) gleich auf der richtigen Seite abzusteigen.

Das Biwak

Über ein verdammt steiles Schneefeld ging es hinab bis zu einer trichterförmigen Verengung. Von dort wurde auf ein breites Band abgeseilt. Der Versuch, die Seile wieder abzuziehen, blieb erfolglos. Außerdem wurde es zunehmend dunkler, so dass wir uns zu einem Biwak entschlossen.

Nach Mitternacht verschwand die bis dahin wunderschöne Sternenpracht hinter aufziehenden Wolken und es begann zu schneien. Etwas später beglückten uns dann auch schon die ersten Lawinen, die mit anhaltendem Schneefall immer mächtiger wurden. Glücklicherweise hatten wir uns an den nicht abziehbaren Seilen festgemacht, so dass wir die vorbei rauschende Schneepracht unbeschadet überstanden.

Wieder unten im Tal haben wir uns für den Rest der Woche auf etwas leichtere Hochtouren beschränkt. Der Neuschnee ließ ernsthaftere Unternehmungen auch nicht mehr zu.

Zusätzliche Infos

Tour-Info

Land:
Slowakei
 
Jahr:
1986
 
Inhalt:
Hochtour
 

Übernachtung: Nun, im Winter haben wir uns dann doch für ein festes Privat-Quartier entschieden. Darum allerdings sollte man sich rechtzeitig kümmern, denn die Tatra ist im Winter ähnlich gut besucht wie im Sommer.

Rast

Am Einstieg

Eine kurze Rast am Einstieg zur Krzmarov-Rinne bei Sonnenaufgang.

Rinne

In der Rinne

Im oberen Teil der Krzmarov-Rinne, bis zu 60° steil.

 
 

Letzte Änderung: 28.02.2007

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