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Reisen Tiglav / Julische Alpen 2001

Vor allem meine Frau war recht skeptisch, als wir im Urlaub in Slowenien vorbeischauen wollten. Gehörte immerhin mal zu Jugoslawien, wie auch Bosnien, Kroatien ...

Als wir dann hinter dem Wurzen-Pass die Grenze passierten und die Grenzer ganz menschlich im Schatten dösten, die ersten Tolare problemlos ertauscht wurden und der Zeltplatzwart gebrochen deutsch konnte, wurde auch meine Frau wieder etwas ruhiger.

Triglav

Gezeltet haben wir in Trenta direkt neben der Soca, auf einem Zeltplatz namens "Triglav". Und auf diesen wollte ich unbedingt hinauf.

Da Aiko sich nach unserer Wiesbachhorn-Ersteigung etwas schlapp fühlte, ging ich mit Stefan alleine los und zwar genau um 10 Uhr. Damit wir die Mittagssonne auch reichlich genießen können. Unser Weg führte einem alten Kriegssteig folgend in zahllosen Kehren durch steile Südhänge. Das letzte Wasser gab es unten im Talgrund.

Nach etwa fünf Stunden kamen wir an unserem Tagesziel, der Dolic-Hütte an. Übrigens die einzige der Triglav-Hütten, die kein fließendes Wasser hat. Lediglich in Flaschen für ca. 6 DM. Das junge Mädchen an der Rezeption konnte in etwa genau so gut Englisch wie ich (was nicht viel ist) und so war die Frage der Übernachtung (20 DM im Lager) und die des Abendbrotes (9 DM für eine Wurst auf Sauerkraut mit 'ner Scheibe Brot) bald geklärt. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir im Gespräch mit zwei Einheimischen, von denen einer ziemlich gut deutsch konnte. So erfuhren wir, dass die Lebensverhältnisse bei weitem nicht so gut sind, wie wir annahmen. Hohe Arbeitslosigkeit und wenig Geld sind für viele dort Problem Nummer eins. Auch mussten wir leider feststellen, dass wir als Deutsche in ihren Augen einen höheren Stellenwert hatten als ebenfalls anwesende Tschechen oder Polen.

Am nächsten Tag ging es bei gutem Wetter den alten Kriegssteig weiter folgend hinauf auf ein Hochplateau bis zum Gipfelaufbau des Triglav. Ab hier muss man dann die Hände aus den Hosentaschen nehmen, denn das letzte Stück bis zum Gipfel ist ein Klettersteig (mit wenig künstlichen Versicherungen, also Obacht). Gegen neun Uhr standen wir dann endlich auf dem höchsten Berg Sloweniens. Ob des schönen Wetters waren wir leider nicht allein, viele kamen vom Triglav-Haus über die Nordseite, selbst einen "Gipfel-Shop" gab es. Eigentlich habe ich was gegen Kommerz auf Berggipfeln, auch in dieser "primitiven" Form, aber vielleicht hatte der junge Mann keine andere Möglichkeit, seinen Unterhalt zu verdienen ...

Wieder unten auf dem Hochplateau wandten wir uns nach Westen, zum Bamberger Weg. Gruselig! Laut Beschreibung der schönste Aufstieg zum Triglav. Aber im Abstieg nicht zu empfehlen. Wenige Versicherungen, dafür aber ein permanenter Blick hinab an steilen Grasmatten, die auf schmaler, schottriger Pfadspur gequert werden. Und das 600 Höhenmeter lang. Ich war jedenfalls froh, als wir in der Lukna ankamen. Ab da geht es wieder über normale Wege hinab zum Zeltplatz. Allerdings ließen wir es uns nicht nehmen, im Talgrund erst mal im Bach ein ausgiebiges Bad zu nehmen (und ihn halb leer zusaufen).

Soca-Quelle

Das Soca-Tal, vor allem im oberen Teil, ist an sich schon beeindruckend. Selbst nur auf 600 Meter über Null ziehen links und rechts die steilen, bewaldeten Hänge scheinbar in den Himmel hinein, gekrönt von in der Sonne gleißenden Felsspitzen und -graten.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Soca-Quelle ebenfalls etwas Besonderes ist. Schon vom Parkplatz aus sieht man die bunten Tupfen der Touristen durch den Wald leuchten.

Von der "Hütte an der Soca-Quelle" führt der Weg steil durch den Wald hinauf bis man vor einer felsigen Platte steht. Über diese hinauf gelangt man an den Beginn eines schmalen Felsbandes. Das angebrachte Drahtseil markiert den Weiterweg. Nun, damit hatte ich allerdings nicht gerechnet. Eine Touristenattraktion mit dermaßen ausgesetztem Zugang - das ist Slowenien. Eine Hand am Seil, die andere an meiner vierjährigen Tochter, überwanden wir das Band. Spannend vor allem bei Gegenverkehr. Am Ende gelangt man an einen breiten Felsspalt, in dessen Inneren die Soca entspringt - in einem Felsbassin, gefüllt mit glasklaren Wasser, dessen Tiefe unergründlich scheint. Nicht auszudenken, was hier oben zur Zeit der jährlichen Schneeschmelze abgeht. Wo wir uns jetzt zur Pause niederlassen, um den anderen Touris bei ihrer Drahtseil-Hangelei zuzuschauen, wird dann wohl die Soca als gewaltiger Schwall aus dem Fels hinabstürzen.

Zusätzliche Infos

Tour-Info

Land:
Slowenien
 
Jahr:
2001
 
Inhalt:
Klettersteig
 

Unterwegs

Anmarsch

Am zweiten Tag ging es bei schönem Wetter von der Hütte hinauf auf das Hochplateau, auf welchem sich der Triglav befindet.

Gipfel

Triglav

Endlich auf dem Triglav. Diese nette Blechdose soll wohl bei Gewitter als Faradayscher Käfig dienen.

Gipfel-Shop

Gipfelshop

Unglaublich, aber wahr: auf dem höchsten Punkt Sloweniens herrscht improvisierter Kommerz.

Normalweg

Triglav Normalweg

Wohl von den meisten Gipfel-Aspiranten begangen: der "Normalweg" vom Triglav-Haus über den Kleinen Triglav (Klettersteig).

 
 

Letzte Änderung: 28.02.2007

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