Stefan hatte mal wieder eine Idee: ganz im Stil früherer Trekking-Touren (siehe Fagaras und Rila) mit Rucksack, Zelt, Schlafsack und Kocher am Himmelfahrt-Wochenende mehrere Tage durch das Berner Oberland wandern. Seine Wahl fiel auf die Strecke von Gsteigwiler über Schynige Platte, Faulhorn und First zur Großen Scheidegg. Großartige Panoramablicke auf das Dreigestirn Eiger-Mönch-Jungfrau sowie Wetter-, Schreck- und Finsteraarhorn inklusive!
Literatur: Rother Wanderführer Berner
Oberland Ost, Tour 23 und 24
Karten: Landeskarte Schweiz 1:25000,
Lauterbrunnen und Grindelwald.
Unser Privattaxi brachte Stefan und mich nach Gsteigwiler, ein kleines Dorf am Ausgang des Lütschinentals. Dort huckten wir die Rucksäcke auf (meiner wog mit leerem Wassersack mal wieder 27 kg, Stefans 25 kg) und zogen auf breitem Weg talaufwärts. Im Wald zweigte dann, kaum sichtbar, ein alter Bauernpfad rechts ab. Auf diesem stetig bergan an Almhütten und Wiesen vorbei, zuweilen auch mal eine Steilstufe recht luftig überwindend in einen breiten Graben. Dort erwischte uns dann ein ausgiebiger und anhaltender Regenguss. Zum Glück fanden wir eine ausgebaute Bofe (= sächsisch für Freiübernachtungsstelle unter einem Felsüberhang). Ein herumliegendes U-Profil verschaffte uns die Möglichkeit, ein kleines Rinnsal auf dem Weg anzuzapfen und unseren Wassersack zu füllen.
Nachdem der Regen aufgehört hatte, ging es den Graben weiter hoch und über steile Wiesen bis zur Bahnstrecke Widerswil - Schynige Platte. Wenig später standen wir vor dem Berghotel Schynige Platte. Dieses hatte zwar noch geschlossen, aber das Personal war schon vor Ort und ließ sich überreden, uns ein Bierchen zu verkaufen. Leicht angesäuselt suchten wir uns in der Nähe einen Platz für unser Zelt, natürlich mit Panoramablick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Nach dem Abendbrot genossen wir das Farbspiel der untergehenden Sonne, bis in Grindelwald die Lichter angingen.
Gegen 6 Uhr krochen wir aus dem Zelt. Draußen war alles in des weiche Orange der aufgehenden Sonne getaucht. Gemächlich frühstückten wir und leisteten uns den Luxus abzuwarten, bis das Zelt halbwegs trocken war.
Am Hotel Schynige Platte vorbei ging es hinauf auf die Tuba. Ab da weiter auf dem Panoramaweg, welcher anfangs einem Grat folgt. Links der Blick hinab auf den Brienzer See, rechts Eiger, Mönch und Jungfrau. Ein kurzer Abstecher brachte uns über Holztreppen hinauf auf das Oberberghorn. Weiter ging es um das Loucherhorn herum hinauf auf das Egg.
Wir befanden uns nun auf der Nordseite der Sägissa und das bedeutete um diese Zeit noch uferlos viel Schnee. Immer wieder einbrechend, zum Teil bis zu den Hüften, quälten wir uns weiter bis zum NO-Ende. Dort macht der Weg eine Spitzkehre, und die Berghütte Männdlenen kam in Sicht. Der Weg bis dort war ebenfalls noch vollkommen unter Schnee und von dem hatten wir mittlerweile die Nase gestrichen voll. (Zumal ich auch mal wieder eine Rutschparty hinter mir hatte!)
Eine Alternative schien das Fulegg zu sein, zumindest sahen wir dort einen fast schneefreien Pfad hinauf Richtung Faulhorn ziehen. Um zu diesem Pfad zu gelangen, mussten wir einen auch noch mit reichlich Schneeflecken versehenen Felsrücken absteigen bis in einen kleinen Sattel hinab. Während Stefan weiter zum Fulegg hinaufstieg, suchte ich erstmal Richtung Sägistal nach Wasser und stieg ihm dann hinterher. Da sich mittlerweile ein Gewitter anbahnte, beschlossen wir unterhalb des Fulegg zu bleiben und bauten dort unser Zelt auf.
Wieder 6 Uhr aufstehen. Wieder ein traumhafter Sonnenaufgang. Nachdem das Zelt halbwegs trocken war, zogen wir auf schmalem Pfad das Fulegg hinauf. Später führte der Weg in Serpentinen durch einen steilen Schutthang. Gut dass kaum noch Schnee lag, denn wenn man hier wegrutscht fliegt man auch noch eine Steilstufe hinunter.
Oben auf dem Kamm angelangt, war es nicht mehr weit bis zum Faulhorn, mit 2680 m die höchste Erhebung unserer Tour. Eigentlich sollte ja das Schwarzhorn der höchste Punkt werden, aber für deren Besteigung lag noch zu viel Schnee. Das Restaurant auf dem Faulhorn hatte leider zu, so dass wir auf das erhoffte Gipfelbier verzichten mussten.
Jetzt ging es fast nur noch bergab, anfangs auch noch durch Schnee. So näherten wir uns zügig dem noch ziemlich zugefrorenen Bachalpsee. Hier trafen wir auf die ersten Touris seit der Schynigen Platte: Japaner, Holländer, Deutsche ... Auf breitem Weg dann weiter zur Bergstation First, immer ein leckeres Bier und was schnuckeliges zu Essen vor Auge. Von der Terrasse des Restaurants hat man einen herrlichen Blick auf den Talkessel von Grindelwald und die beeindruckende Gipfelwelt zwischen Großer und Kleiner Scheidegg.
Auf einem schön angelegten Bergweg ging es vom First zum Endpunkt unserer Tour, der Großen Scheidegg. Noch ein letztes Abschiedsbier, bevor der Postbus uns hinunter zum Hotel Wetterhorn brachte, an dem schon unser Privattaxi wartete.
Nach der ersten Nacht auf der Schynigen Platte begrüßten uns Eiger, Mönch und Jungfrau mit (Schlaf-)Mützen auf dem Kopf.
Nach unserer zweiten Übernachtung unterhalb des Fulegg waren wir zeitig genug raus, um diesen wunderschönen Sonnenaufgang zu erleben ...
... der Stefan und mich zu einer ganzen Reihe von Fotos anregte. Hier der Blick hinüber zum Berghaus Männdlenen (in der Scharte), an dem der Panoramaweg vorbeigeht. Nach links hinabziehend der Felsrücken, über den wir hinüber zum Fulegg gegangen sind.
Letzte Änderung: 13.11.2007
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