Einen Autobahnkilometer nach dem anderen abreißend gelangten wir im Sommer 1996 durch Luxemburg, Belgien und Frankreich zum Eurotunnel, um für schlappe 130 DM in gut 40 Minuten auf die Insel zu gelangen. In Folkestone angekommen wusste ich sofort, dass ich in Großbritannien war - vor lauter Nebel sah man kaum die Hand vor Augen. In Dover hatten wir einen Tag Aufenthalt, um auf den Rest der Crew, Stefan und Spider, zu warten. Bei einem Besuch des Dover Castle und der Weißen Felsen von Dover verging die Zeit im Handumdrehen. Auch an den Linksverkehr gewöhnt man sich recht schnell, zumal es schon lästig ist, wenn dauernd lichthupende Autos auf der eigenen Fahrspur entgegenkommen.
In einem 1000 km Ritt setzten wir nach Fort William um. Dort machten wir auch das erste Mal Bekanntschaft mit den gefürchteten Mitches. Diese kleinen und lästigen Biester werden nur von den Mücken Lapplands übertroffen. Den ganzen Tag ist nichts von ihnen zu sehen. Aber kaum hat man sich abends hingesetzt, um sein wohlverdientes Abendbrot zu verzehren, ist man von dichten Schwärmen dieser Plagegeister umgeben. Dabei sind sie so klein, dass nicht mal ein Imkervollschutz dagegen hilft.
Die berühmten Gullys und Buttres an der Nordseite des Ben Nevis reizten uns nicht allzu sehr. Stattdessen besuchten wir die kleineren Kletterfelsen des Poldub am südlichen Ausläufer des Carn Dearg. Traditionell schlecht mit Bohrhaken abgesichert finden sich dort einige Wege im mittleren Schwierigkeitsgrad. Zum Glück hatten wir Spider dabei, denn einige Passagen ließen sich so gut wie gar nicht absichern und wenn man dann nicht die Nerven behält... Außerdem sollte man vorsichtig mit den angegebenen Schwierigkeiten sein, meist sind die Wege deutlich schwerer.
Am nächsten Tag ging es bei herrlichem Sonnenschein auf den Ben Nevis. Obwohl nur 1344 m hoch, darf man nicht vergessen, dass man nahezu von Meereshöhe losmarschiert. Ein Schild am Anfang des Aufstieges, welches vor Dehydration warnt, fand ich erst recht lustig, konnte es später aber gut verstehen. Drei bis vier Stunden (je nach Kondition) latscht man über freie Fläche ständig bergauf. Je länger man unterwegs ist, umso weiter kommt die Sonne herum und brezelt einem gewaltig aufs Hirn. Oben dann das übliche Massenbegängnis, aber die weitläufige Gipfelkuppe bietet reichlich Platz für alle.
Am Eilean Donan Castle (Highlander lässt grüßen) vorbei ging es weiter auf die Isle of Skye. Unser erstes Ziel waren dort die Black Cuillins, ein kleines Gebirge mit fast 1000 m Höhe. Von unserem Zeltplatz in Glen Brittle (very basic, aber traumhaft) sind die Cuillins in knapp einer Stunde Fußmarsch zu erreichen. Unser Augenmerk galt dem Cioch, einem gewaltigen Felsblock, der wie magisch inmitten einer glatten Felsflanke festgeklebt zu sein scheint (Highlander Christopher Lambert absolvierte dort oben übrigens zusammen mit seinem väterlichen Freund Sean Connery seine ersten Übungsstunden im Schwertkampf). Nachdem man das Einstiegsband gefunden hat, gelangt man an den Beginn einer gewaltigen Reibungsplatte, die sich links vom Cioch bis in einen kleinen Sattel hinaufzieht (UIAA II, klettert sich aber eher wie III). Vom Sattel sind es dann noch wenige Züge bis zum Gipfel, von dem man einen herrlichen Blick bis hinunter zum Zeltplatz hat. Die Überschreitung des Sgurr Alasdair (auch UIAA II), mit 993 m der höchste Berg der Cuillins, und Abstieg durch die Great Stone Chute (als ob man durch einen Haufen Tonscherben geht) beendete unseren Abstecher in den Cuillins. Sehenswert auf Skye sind noch Dunvegan Castle, der Kilt Rock und der Old Man of Storr, letztere grandiose Felsformationen im Nordosten von Skye.
"It's going to be a nice day!" Mit diesen Worten des Zeltplatzwarts auf meine Frage, wie denn das Wetter so würde, verabschiedeten wir uns von Skye, um mit der Fähre nach Lewis, der größten Insel der Äußeren Hebriden hinüberzusetzen. Noch lange grübelte ich über diese Worte nach, bis ich zu der Auffassung gelangte, dass es sich um trockenen schottischen Humor handeln musste, denn seit diesem Tag hatten wir permanent schlechtes Wetter.
Lewis und Harris beeindrucken vor allem mit ihren Küsten. Bis zu 40 m hohe Klippen am Butt of Lewis. Mit etwas Glück kann man dort Seehunde bei ihrem Spiel mit der Brandung beobachten. Auf der anderen Seite wird man auf Harris von weißen Traumstränden mit grün schillerndem Wasser überrascht. Für Freunde keltischer Mystik seien die Standing Stones of Callanish empfohlen.
Über Skye ging es wieder zurück in die Highlands. Nach einigem Suchen fanden wir ein kleines Kaff, in welchem gerade die berühmten Highland Games stattfanden. Ist schon lustig anzuschauen, wie eine Handvoll traditionell gekleideter Schotten sich im Baumstammweitwurf, Strohballenhochwurf und anderen Disziplinen messen. Da die Games über den August verteilt in verschiedenen Orten durchgeführt werden, sollte man in den örtlichen TI's nachfragen. Dort existiert meist eine Liste mit Orten und Zeiten. Sehenswert ist es auf jeden Fall. Ein Abstecher an den sagenumwogenden Loch Ness (ohne Nessie) und die Besichtigung der kleinsten Whisky-Destillerie Schottlands in Pitlochry beendeten unseren Aufenthalt in Schottland.
Bevor wir wieder europäisches Festland betraten, wollten wir unbedingt noch die zwei großen Touristenattraktionen Südenglands gesehen haben: Stonehenge und London. Also ab nach Salisbury und am nächsten Tag zusammen mit Hunderten von Schaulustigen aus aller Welt eingereiht in die Menschenmasse, die sich beständig um die mythische Kultstätte herumbewegt. Wesentlich weniger besucht, aber trotzdem sehenswert waren die Hangbilder, überdimensionale, in Hügel gescharrte Figuren aus der Frühzeit Englands. Zum einen der Giant of Cerne Abbas und zum anderen das White Horse of Uffington. Salisbury selber hat eine mächtige Kathedrale zu bieten, auch lohnt ein Bummel durch die kleinen Gassen, vorbei an den hübschen und reich verzierten Häusern.
Auf dem Weg nach London empfiehlt sich ein Stopp in Windsor. Auch wenn man kein Fan der Königsfamilie ist, Windsor Castle ist beeindruckend. London selber sollte besser ohne Auto aufgesucht werden. An den Verkehrsknotenpunkten der Innenstadt herrscht, gelinde gesagt, das blanke Chaos. Günstig ist es, sich ein Touristenticket zu besorgen. Dieses ist 24 Stunden gültig und man kann alle öffentlichen Verkehrsmittel damit benutzen.
Wir haben uns beispielsweise mit diesem Ticket die Stadt aus der oberen Etage eines Doppelstockbusses betrachtet. Von der Paddington Station im Westen bis hinter die Tower Bridge im Osten ließen wir uns von der Buslinie 15 durch die Stadt kutschieren. Auf dieser Strecke bekommt man einen großen Teil der Sehenswürdigkeiten Londons präsentiert: Regent Street, Piccadilly, Trafalgar Square und St. Pauls Cathedral bis hin zum Tower nebst gleichnamiger Bridge.
Um alles zu sehen, muss man unbedingt mehrere Tage einplanen, einiges kostet ja auch Zeit, wie der Tower (incl. der königlichen Schatzkammer), Baker Street 221b oder gar Harrods (kaufen wie die Königin). Zelten am besten im Greater London, also etwas außerhalb. Ist aber nicht so einfach, da logischerweise viele auf diese Idee kommen und die vorhandenen Campingplätze ziemlich voll und vor allem schwer zu finden (schlecht ausgeschildert) sind.
Spätestens seit Christopher Lambert in Highlander I kommt hier wohl niemand dran vorbei: Eileen Donan Castle.
Letzte Änderung: 13.11.2007
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